«Laborfleisch» – Hirngespinst oder Zukunft?

06.03.2019

In den letzten Wochen und Monaten tauchten vermehrt Berichte zu ersten Gehversuchen mit Laborfleisch und der Gründung von Start-up-Unternehmen auf, die von grösseren Fleischfirmen teils mitfinanziert werden.

Den Anfang machte ein holländischer Professor, der bereits 2013 einer Gruppe von Journalisten einen aus Zellkulturen gewonnenen Hamburger präsentierte, der sensorisch zwar noch nicht zu überzeugen vermochte und Kosten von mehreren hunderttausend Franken zur Folge hatte. Im vergangenen Dezember trat jedoch bereits eine israelische Firma mit einem aus Zellkulturen hergestellten Steak an die Öffentlichkeit, welches in Struktur und Geschmack von einem herkömmlichen nicht zu unterscheiden sei und nurmehr Kosten von rund 50 Franken verursache. Mit der Gewinnung von sogenanntem «clean meat» soll Fleisch produziert werden, das ohne die Schlachtung von Tieren auskommt und so die teils geäusserten tierethischen Bedenken obsolet macht. In Anbetracht der sich erhärtenden Tatsache, dass für das Ausgangsmaterial dennoch tierische Zellen notwendig sind, wird von Interesse sein, wie z. B. die vegetarischen bzw. veganen Kreise damit umgehen werden, dass auch «clean meat» oftmals tierischen Ursprungs ist. Ebenfalls unklar bleibt, wie in Zukunft ohne Nutztiere die Versorgung mit Milch, Eiern und Wolle sicherzustellen und die weltweiten Grünflächen zu nutzen wären. Unbestritten ist hingegen, dass Zellen für ihr Wachstum Nahrung benötigen – dies sowohl im Tier wie auch in den Zellkulturen. Hierzu geben sich die einzelnen Start-ups jedoch deutlich zugeknöpfter, wird dazu oft einfach von Nährlösungen gesprochen. Ob bzw. inwieweit diese ohne tierisches Material auskommen, wirklich nachhaltiger als das Futter für Nutztiere sind, ist bislang völlig offen. Dies wohl auch deshalb, weil die grösste Herausforderung nicht in der Technologie selber, sondern in deren Umsetzung im grossen Massstab liegen dürfte. Ein faktenbasierter Vergleich zwischen der konventionellen und der Fleischproduktion im Labor wird somit erst dann möglich sein, wenn all die vorgenannten Punkte geklärt sind. Bis dahin werden wohl noch einige Jahre vergehen. Dennoch gilt es, die weiteren Entwicklungen schon heute aufmerksam zu verfolgen!

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
 
Elias Welti, Leiter Kommunikation und stv. Direktor SFF
 
 
 
 
 

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