Reiner Zufall?

19.09.2018

Anfang Monat hat der Bundesrat den vom Nationalrat angeforderten Zusatzbericht zur agrarpolitischen Gesamtschau veröffentlicht, in welchem er bezüglich der internationalen Öffnung der Märkte, wohl auf den grossen Druck diverser Landwirtschaftskreise hin, bereits wieder angepasst hat.

So hätten u. a. die ursprünglich genannten Szenarien einen rein illustrativen Charakter gehabt, und auch mit der EU seien derzeit keine Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen beabsichtigt.
Nur zwei Tage später – man mag an Zufall glauben oder nicht – ist die Denkfabrik Avenir Suisse mit der Studie «Eine Agrarpolitik mit Zukunft» an die Öffentlichkeit getreten. Anlass hierzu hätten die strukturellen Fehlentwicklungen des Agrarkomplexes mit ihrer erheblichen Belastung der Steuerzahlenden, die Beschränkung der Konsumenten in ihrer Wahlfreiheit wegen des hohen Grenzschutzes sowie die überbordende Regulierungsdichte gegeben, die die Bauern in ihrem Unternehmertum massiv behindern. In der Studie wurden die Gesamtkosten der Schweizer Agrarpolitik auf 20 Mrd. Franken pro Jahr beziffert, weshalb zur Senkung der volkswirtschaftlichen Kosten um 14,4 Mrd. Franken und zur Stärkung des Unternehmertums eine Zehn-Punkte-Strategie vorgeschlagen wurde. Geht man in vertiefter Form auf diese ein, dann zeigt sich rasch, dass sie in ihrer Radikalität einem Frontalangriff auf die Land- und Ernährungswirtschaft, insbesondere aber auch den ländlichen Raum, gleichkommt.
Avenir Suisse ist wohl ein Think Tank, dessen Aufgabe es ist, seinen Gedankengängen freieren Lauf zu lassen als sonst üblich. Wenn man jedoch auf deren Website die Liste der Förderer durchgeht, dann trifft man viele Unternehmen, welche national im Dienstleistungs- und im Industriebereich Rang und Namen haben. Dieser Umstand legt den Schluss nahe, dass der eigentliche Zweck der Studie in einer (ersten) Retourkutsche der übrigen Volkswirtschaft gegenüber der Land- und einzelnen Bereichen der Ernährungswirtschaft liegt, nachdem Letztere die für unsere Volkswirtschaft so wichtigen Freihandelsbestrebungen immer wieder untergraben. Will die Schweiz als ausgesprochenes Exportland jedoch auch in Zukunft erfolgreich bleiben, dann bedarf dies zwingend einer Bündelung aller verfügbaren Kräfte und nicht der bisherigen Verzettelung – und dies möglichst rasch!

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
 
Elias Welti, Leiter Kommunikation und stv. Direktor SFF
 
 
 
 
 

Schweizer Fleisch-Fachverband SFF · Sihlquai 255 · Postfach 1977 · 8031 Zürich · Tel. +41 (0)44 250 70 60 · Fax +41 (0)44 250 70 61 · info(at)sff.ch

Swiss Meat People
mefa